Das IBA-Thema für Halle: Balanceakt Doppelstadt
Das mit dem IBA-Büro entwickelte Motto für Halle: „Balanceakt Doppelstadt“ zielt auf ein Kernthema hallescher Stadtentwicklung. Halle wurde vor 40 Jahren in einem Umfang und einem Tempo umgebaut, wie nie zuvor in seiner 1200jährigen Geschichte.
Der eine trägt den anderen - Balance muss nicht „gleichstark“ heißen. (Bronze von Bernhard Göbel, Halle Leipziger Straße.)
Das Ergebnis dieses Stadtumbaus in Halle ist eine Stadt mit zwei Polen. Der jüngere Pol westlich der Saale, Halle-Neustadt, eine der größten industriell errichteten Wohnsiedlungen überhaupt, sollte eine eigenständige Stadt werden. Als sozialistische Stadt der Moderne war sie das Gegenmodell zur alten Stadt und sollte diese sogar ersetzen.
Inzwischen ist es umgekehrt: während die alte Stadt wieder lebt, schrumpft Neustadt trotz großer Sanierungserfolge.
Damals wie heute stehen sich die beiden Städte aber nicht nur gegenüber, sondern durchdringen sich auch. Die Schnittstelle ist die „Magistrale“ samt Hochstraße. Sie reicht vom Göttinger Bogen im Westen von Neustadt über die Salineinsel bis zum Riebeckplatz am Hauptbahnhof im Osten von Halle – so weitreichend und einschneidend war das städtebauliche Konzept 1964.
Phänomene des Stadtumbaus, Schrumpfung und Wachstum, Leerstand und Erneuerung stehen heute entlang der damals entstandenen Schnittstelle im starken Kontrast zueinander. Hier geht es im besonderen Maße um Zukunftsfähigkeit und Identität. Die IBA lenkt damit in Halle den Blick auf die noch junge, dramatische Ost-West-Entwicklung der Stadt, die ihrerseits
im Kontrast zu der über Jahrhunderte gewachsenen, entlang der Saale verlaufenen Nord-Süd-Entwicklung der Stadt steht.
Wie geht man mit diesem städtebaulichen Erbe, dem unverwechselbaren Doppelgesicht um? Wie kann Neustadt mental und ökonomisch aufgewertet werden? Wo erzwingt die Realität buchstäblich den Abbau der Gegensätze, wo gibt es Annäherungsmöglichkeiten?
Die Thematik Doppelstadt ist für viele Hallenser keineswegs selbstverständlich und muss sich gegenüber anderen Stadtthemen behaupten. Auch für den Begriff „Balance“ existieren verschiedene Zielvorstellungen: Sollen die Pole – Altstadt und Neustadt – im Gleichgewicht ruhen, oder soll der eine Pol den anderen tragen? Erfreulich ist, dass es seit der IBA-Evaluation im Oktober 2008 zu allen IBA-Projekten Konsens gibt und damit die intensive Vorarbeit der Stadt bestätigt wurde. Hinzu kam die Empfehlung, Magistrale samt Hochstraße als eigenes IBAThema aufzunehmen.

Doppelstadt Halle. Blick von der Altstadt nach Neustadt
Die sieben Hallenser IBA-Standorte
An sieben Standorten entlang der Magistrale wird der städtebauliche Balanceakt in der Auseinandersetzung mit der städtebaulichen Moderne der DDR-Zeit beispielhaft aufgezeigt. Jeder Standort steht für eine eigene Herausforderung, deshalb unterscheiden sich die Projekte in vielerlei Hinsicht. Die variantenreiche Kombination aus Investitionsprojekten und Diskussionsprojekten ist kennzeichnend für die IBA in Halle.
Damit ist ein hoher Anspruch verbunden, auch in finanzieller Hinsicht. Beachtliche staatliche und europäische Fördermittel erleichtern der Stadt die Finanzierung, beinhalten aber auch strikte Vorgaben zum gesamten Projektablauf.
Diese Vorgaben prägten das IBA-Geschehen zunächst sehr. Umso erfreulicher ist es, dass für alle im Jahre 2008 begonnenen Investitionsprojekte die Bau- und Abrechnungsfristen eingehalten werden konnten. Der Gesamtwertumfang aller Projekte umfasst
8,4 Millionen Euro, die im Zeitraum zwischen 2008 und 2011 etwa hälftig in Neustadt und der Innenstadt einschließlich der Saline-Insel investiert werden. Darin sind enthalten 58% EU-Zuwendungen (EFRE), 28% Stadtumbau-Fördermittel von Bund und Land sowie 14% Eigenmittel der Stadt. Zwei Drittel der Gesamtinvestitionen wurden bis 2009 verausgabt. Das restliche Drittel fließt 2010/2011 vor allem in den Standort Saline-Insel.
Doppelstadt Neustadt/Altstadt. Die IBA-Standorte mit der Magistrale.

