
Südlich der Magistrale: Glaucha mit Gründer-
zeitblocks und Steg-Hochhäusern
Der Ort
Die desolate Lage der Kinder in der damaligen Amtsstadt Glaucha veranlasste einst den Glauchaer Pfarrer August Hermann Francke zur Gründung der Franckeschen Stiftungen.
Auch heute braucht Glaucha wieder Hilfe. Die Reste der früheren Arbeitersiedlung erstrecken sich südlich der Hochstraße von den Franckeschen Stiftungen bis zur Saale. Dort leben etwa 4.000 Menschen. Prägend ist der Kontrast aus Gründerzeithäusern, Wohnhochhäusern, Plattenbauten und Brachen. Er ist das Resultat eines Stadtumbaus, der erst durch die politische Wende 1989 gestoppt wurde. Bei sehr hohem Leerstand (30 %) und hohem Sanierungsbedarf ziehen fast ausschließlich Menschen aus sozial schwächeren Haushalten – insbesondere aus den Plattensiedlungen – nach Glaucha. Die Altbauten befinden sich vorwiegend im Besitz von Einzeleigentümern, von denen nur wenige in Halle leben.
Das Thema
Der Stadtteil steht vor großen Herausforderungen. Es gab keine überzeugende Strategie, wie sich der Stadtraum westlich des Rannischen Platzes angesichts zurückgehender Nachfrage stabilisieren soll. Die Investitionsbereitschaft ist anhaltend niedrig, entsprechend groß ist das Interesse vieler Mieter, Glaucha zugunsten attraktiverer Wohnstandorte zu verlassen. Die geringe Nachfrage und hohe Sanierungskosten veranlassten das stadteigene Wohnungsunternehmen (HWG), den 2006 begonnenen Abbruch der drei markanten Punkthochhäuser am Steg bis 2010 abzuschließen.

Glaucha und südliche Innenstadt im Focus der innerstädtischen Wanderung 2002-2006. Zuzüge (rot) kommen aus den Plattensiedlungen, Fortzüge (blau) gehen in konsolidierte Gebiete
Ein Trendwechsel ist dringend nötig, damit nicht weitere Teile der südlichen Innenstadt in Mitleidenschaft geraten. Allerdings muss dabei auf „große Würfe von oben“ verzichtet werden. Es werden Strategien benötigt, die auch bei geringem Mitteleinsatz geeignet sind, Mitwirkungsbereitschaft und Know-how der Akteure vor Ort zu mobilisieren. Die IBA-Thematik in Glaucha repräsentiert damit ein Kernthema des Stadtumbaus schlechthin: die durch hohen Leerstand geschwächten Innenstadtquartiere zu stabilisieren. So groß der Konsens der Stadtumbauexperten dazu ist, so schwer ist doch die Umsetzung. Noch steht beim Stadtumbau das "Altbaumanagement" im Rang hinter Abbruchmanagement von Plattenbauten.
Die Fragen
- Wie kann die Mitwirkungsbereitschaft der Hauseigentümer in Glaucha mobilisiert werden?
- Mit welchen Mitteln kann der Prozess der Destabilisierung gebremst und das Image verbessert werden?
- Welche Rolle übernimmt Glaucha gegenwärtig im Wohnungsmarkt der Doppelstadt und wie hängt dies mit dem Stadtumbauprozess zusammen? Welche Rolle könnte es zukünftig übernehmen?
Das IBA-Projekt
Ein von der Stadt beauftragter Bausachverständiger hat als Moderator damit begonnen, die Eigentümer für die Sicherung ihrer Gebäude zu gewinnen und bei der Vorbereitung zu unterstützen. Die dafür wichtigen Fördermittel für Sicherungsmaßnahmen aus dem Förderprogramm „Stadtumbau-Ost“ stehen ab 2008 erstmals zur Verfügung. Die stadteigene Wohnungsgesellschaft HWG ist ein wichtiger Partner beim Gebäude- und Quartiersmanagement. Initiativen aus Halle, die sich mit der temporären Nutzung leer stehender Altbauten befassen, sollen in Glaucha unterstützt werden.
In enger Kooperation damit wurde für Glaucha eine Analyse von Sozialraum und Wohnungsmarkt erstellt, aus der Konzepte abgeleitet werden zur Stärkung des sozialen Gefüges. Eine wichtige Rolle übernehmen dabei Schlüsselprojekte
(z. B. das Mehrgenerationenhaus) und die Vernetzung der Akteure vor Ort. Erste Erfolge des Engagements werden an öffentlichkeitswirksamen Aktionen sichtbar. 19 beteiligte Akteure und Institutionen aus Glaucha haben sich 2008 gefunden und zusammen mit dem Titel „Offenes Glaucha“ einen Entdeckertag veranstaltet. Es wurde stadtweit eingeladen und teilweise völlig unbekannte Orte in Glaucha waren öffentlich zugängig (25.10.2008).
Ein Forschungsprojekt des Bundes im Rahmen des Programms „Experimenteller Wohnungsbau und Stadtentwicklung“ begleitet die IBA-Arbeit mit einer Studie zum „Zielgruppenorientierten Wohnungsbedarf im Stadtumbau“. Das Wohnungsmarktgutachten Halle liefert Angebots- und Nachfrageprognosen bis 2020 und entsprechende Rahmenempfehlungen für Glaucha.
Realisierung: 2008 und 2009 (Fortsetzung vorgesehen)
Standortgemeinschaft Glaucha e. V. gegründet
Am 20. Juni 2009 wurde die Standortgemeinschaft Glaucha gegründet.
Der Gründertag richtete sich an Gebäudeeigentümer im Viertel. Gemeinsam wollen sie künftig an der Erneuerung und Aufwertung von Bausubstanz und Freiflächen in Glaucha arbeiten.

Einladungskarte für den 19. – 21.06.2009 In Glaucha spielt die Musik, das Motto für den Gründertag und Fête de la musique
Links zum Thema
In Glaucha spielt die Musik - 19. bis 21. Juni 2010
Entdeckertag „Offenes Glaucha“ am 25. Oktober 2008
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